Kurz erklärt
Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, umgangssprachlich „Sicherung“ oder „Automat“) schützt elektrische Leitungen und Kabel vor Überlast und Kurzschluss — also vor unzulässiger Erwärmung und Leitungsbrand. Er schützt damit die Installation, nicht direkt Personen. Anders als die alte Schmelzsicherung ist er nach dem Auslösen einfach wieder einschaltbar und muss nicht ersetzt werden.
Was ist ein Leitungsschutzschalter?
Der Leitungsschutzschalter — kurz LS-Schalter, englisch Miniature Circuit Breaker (MCB) — ist das zentrale Überstrom-Schutzgerät im Verteilerschrank jeder modernen Elektroinstallation. Im Alltag wird er oft schlicht „Sicherung“ oder „Automat“ genannt. Seine Aufgabe ist der Leitungsschutz: Er trennt den Stromkreis automatisch vom Netz, sobald der Strom so hoch wird, dass sich die nachgeschaltete Leitung über das zulässige Maß hinaus erwärmen würde.
Wichtig zur Einordnung: Der LS-Schalter schützt die Leitung, nicht den Menschen. Den Personenschutz vor gefährlichen Fehlerströmen übernimmt der FI-Schutzschalter, den Brandschutz vor Fehlerlichtbögen der AFDD. Maßgebliche Produktnorm für LS-Schalter im Hausgebrauch ist die DIN EN 60898-1.
LS-Schalter statt Schmelzsicherung
Vor dem LS-Schalter war die Schmelzsicherung (das klassische „Sicherungselement“ mit Schmelzdraht) üblich. Ihr Nachteil: Nach dem Ansprechen ist der Schmelzdraht durchgebrannt und das Element muss ausgetauscht werden. Der Leitungsschutzschalter arbeitet rein mechanisch und elektromagnetisch und ist nach dem Auslösen wieder einschaltbar — der Hebel wird einfach wieder nach oben geschaltet, sobald die Fehlerursache beseitigt ist. Das macht ihn komfortabler, betriebssicherer und in der Auslösecharakteristik exakt definiert.
Wie funktioniert ein Leitungsschutzschalter?
Ein LS-Schalter besitzt zwei voneinander unabhängige Auslösemechanismen, die zwei unterschiedliche Fehlerarten abdecken:
- Thermischer Auslöser (Bimetall) – Schutz bei Überlast: Ein Bimetallstreifen erwärmt sich, wenn dauerhaft mehr Strom fließt als zulässig. Durch die Erwärmung verbiegt er sich und löst den Schalter aus. Diese Auslösung erfolgt verzögert — je größer die Überlast, desto schneller. So werden kurzzeitige, ungefährliche Stromspitzen (etwa beim Anlauf von Motoren) toleriert.
- Magnetischer Auslöser (Schnellauslöser) – Schutz bei Kurzschluss: Bei einem Kurzschluss steigt der Strom schlagartig auf ein Vielfaches an. Eine Magnetspule zieht dann sofort einen Anker an und trennt den Stromkreis nahezu unverzögert in Millisekunden, bevor die Leitung Schaden nimmt.
- Trennung des Stromkreises: Beide Mechanismen wirken auf dasselbe Schaltschloss. Der LS-Schalter springt in die Aus-Stellung und unterbricht den Stromfluss sicher.
Bemessungsstrom und Auslösecharakteristik
Zwei Kenngrößen bestimmen, welcher LS-Schalter zu einer Leitung passt: der Bemessungsstrom und die Auslösecharakteristik.
- Bemessungsstrom (Nennstrom): Der Dauerstrom, den der Schalter führen kann, ohne thermisch auszulösen — typische Werte im Wohnbereich sind 10 A, 13 A, 16 A oder 20 A. Aufgedruckt etwa als „B16″ für 16 Ampere.
- Auslösecharakteristik (B/C/D): Sie legt fest, bei welchem Vielfachen des Bemessungsstroms der magnetische Schnellauslöser anspricht — abgestimmt auf die zu erwartenden Einschaltströme der Verbraucher.
| Charakteristik | Magnetische Auslösung bei | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| B | ca. 3–5 × Bemessungsstrom | Steckdosen- und Lichtstromkreise im Wohnbereich |
| C | ca. 5–10 × Bemessungsstrom | Verbraucher mit höherem Einschaltstrom (Motoren, Leuchtengruppen, Geräte) |
| D | ca. 10–20 × Bemessungsstrom | Sehr hohe Anlaufströme (große Motoren, Transformatoren) |
Warum nicht einfach einen größeren LS-Schalter einsetzen? Der Bemessungsstrom muss zum Querschnitt der geschützten Leitung passen — nicht zum Wunsch nach „mehr Leistung“. Ein zu groß gewählter LS-Schalter würde die Leitung nicht mehr schützen: Sie könnte gefährlich heiß werden, ohne dass der Schalter auslöst. Die Auslegung gehört deshalb zwingend in die Hand einer Elektrofachkraft.
Ein- und dreipolige Ausführung
LS-Schalter gibt es in verschiedenen Polzahlen. Im einphasigen Wechselstromnetz wird typischerweise der 1-polige Schalter im Außenleiter eingesetzt. Für Drehstromverbraucher (z. B. Herd, Wärmepumpe, größere Maschinen) kommt der 3-polige LS-Schalter zum Einsatz, der alle drei Außenleiter gemeinsam schaltet — löst ein Pol aus, werden alle drei getrennt. Montiert wird der LS-Schalter auf der Hutschiene im Verteiler.
LS-Schalter, FI-Schutzschalter und AFDD im Vergleich
Diese drei Schutzgeräte werden häufig verwechselt, decken aber jeweils eine völlig andere Gefahr ab und ergänzen sich. Der FI-Schutzschalter rettet Leben, der AFDD verhindert Brände durch Lichtbögen, der LS-Schalter schützt die Leitung vor Überstrom:
| Gerät | Schützt | Reagiert auf |
|---|---|---|
| Leitungsschutzschalter (LS / MCB) | Leitungen vor Brand durch Überlast und Kurzschluss | Überstrom |
| FI-Schutzschalter (RCD) | Personen vor Stromschlag | Fehlerstrom gegen Erde |
| Brandschutzschalter (AFDD) | Anlage vor Brand durch Fehlerlichtbögen | Lichtbogen-Signatur im Stromkreis |
LS-Schalter richtig auslegen lassen – IntHome
Ein korrekt dimensionierter Leitungsschutzschalter ist die Grundlage einer sicheren Elektroinstallation: Er muss exakt zum Leitungsquerschnitt, zur Charakteristik und zur Selektivität der gesamten Anlage passen. Als Elektrotechnik-Fachbetrieb in Augsburg prüft IntHome Ihren Verteiler, dokumentiert die Stromkreise und ersetzt veraltete Schmelzsicherungen oder unterdimensionierte Automaten fachgerecht — auf Wunsch gleich kombiniert mit FI-Schutzschalter und, wo sinnvoll, Brandschutzschalter. So ist Ihre Anlage normgerecht nach DIN VDE und langfristig sicher.
Häufige Fragen zum Leitungsschutzschalter
Was ist der Unterschied zwischen LS-Schalter und Sicherung?
„Sicherung“ ist der umgangssprachliche Sammelbegriff. Gemeint ist meist entweder die alte Schmelzsicherung mit Schmelzdraht oder der moderne Leitungsschutzschalter (Automat). Der entscheidende Unterschied: Der LS-Schalter ist nach dem Auslösen wieder einschaltbar, während die Schmelzsicherung nach dem Durchbrennen ersetzt werden muss.
Schützt ein Leitungsschutzschalter Personen vor Stromschlag?
Nein. Der LS-Schalter schützt ausschließlich die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Den Schutz von Personen vor gefährlichen Fehlerströmen übernimmt der FI-Schutzschalter (RCD). Beide Geräte ergänzen sich und werden in der Hausinstallation gemeinsam eingesetzt.
Was bedeutet B16 auf dem LS-Schalter?
Der Buchstabe steht für die Auslösecharakteristik des magnetischen Schnellauslösers (hier „B“, typisch für Steckdosen- und Lichtstromkreise), die Zahl für den Bemessungsstrom in Ampere (hier 16 A). „B16″ bedeutet also: Auslösecharakteristik B mit 16 Ampere Nennstrom.
Welche Auslösecharakteristik brauche ich – B, C oder D?
Das hängt vom Einschaltverhalten der Verbraucher ab. B eignet sich für übliche Steckdosen- und Lichtstromkreise, C für Verbraucher mit höherem Einschaltstrom wie Motoren oder größere Gerätegruppen, D für sehr hohe Anlaufströme. Die richtige Wahl trifft die Elektrofachkraft anhand der Anlage.
Warum löst mein Leitungsschutzschalter immer wieder aus?
Wiederholtes Auslösen deutet auf eine echte Ursache hin: zu viele Verbraucher am selben Stromkreis (Überlast) oder ein Kurzschluss durch ein defektes Gerät oder eine beschädigte Leitung. Ein dauerhaft auslösender LS-Schalter darf nicht überbrückt oder durch einen größeren ersetzt werden – die Ursache gehört von einer Elektrofachkraft geprüft.
Darf ich einen LS-Schalter selbst tauschen?
Nein. Arbeiten im Verteiler dürfen ausschließlich von einer Elektrofachkraft ausgeführt werden. Falsch ausgelegte oder unsachgemäß angeschlossene LS-Schalter gefährden den Leitungsschutz und damit die Brandsicherheit der gesamten Installation.