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RCD-Typen

Kurz erklärt

RCD-Typen beschreiben, welche Form von Fehlerstrom ein FI-Schutzschalter (RCD) sicher erfassen kann. Die wichtigsten sind Typ A (Standard im Haushalt), Typ F (für Frequenzumrichter) und Typ B (allstromsensitiv, für PV-Wechselrichter und Wallboxen). Entscheidend ist: Der RCD-Typ muss zur angeschlossenen Last passen — sonst „sieht“ er den Fehlerstrom nicht.

Was sind RCD-Typen?

RCD steht für Residual Current Device und ist die international gebräuchliche Bezeichnung für den FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter). Seine Aufgabe: Er vergleicht den hin- und den zurückfließenden Strom in einem Stromkreis. Stimmen beide nicht überein, fließt ein Teil über einen ungewollten Weg ab — etwa über den Körper eines Menschen oder über den Schutzleiter. Diese Differenz nennt man Fehlerstrom, und bei Überschreiten des Schwellwerts schaltet der RCD ab.

Das Problem: Ein RCD kann konstruktionsbedingt nicht jede beliebige Fehlerstromform messen. Moderne elektronische Verbraucher, Wechselrichter und Ladegeräte erzeugen im Fehlerfall keine sauberen sinusförmigen Wechselströme mehr, sondern pulsierende oder sogar glatte Gleichfehlerströme. Deshalb sind RCDs in Typen eingeteilt — je nach der Fehlerstromform, die sie zuverlässig erfassen können.

Die RCD-Typen im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die in der Praxis relevanten RCD-Typen, geordnet nach der erfassbaren Fehlerstromform. Jeder höhere Typ erfasst alles, was die darunterliegenden Typen erfassen — plus zusätzliche Fehlerstromformen.

TypErfasstTypischer Einsatz
Typ ACNur sinusförmige WechselfehlerströmeIn Deutschland nicht als alleiniger Schutz zulässig
Typ AWechsel- und pulsierende GleichfehlerströmeStandard im Haushalt (Steckdosen, Beleuchtung)
Typ FWie Typ A, zusätzlich MischfrequenzenGeräte mit einphasigem Frequenzumrichter (moderne Waschmaschinen, Klimageräte)
Typ BAllstromsensitiv, zusätzlich glatte GleichfehlerströmePV-Wechselrichter, Wallboxen, dreiphasige Frequenzumrichter

Warum Typ AC in Deutschland nicht ausreicht

Der Typ AC erfasst ausschließlich reine Wechselfehlerströme. Sobald ein Verbrauchsgerät mit Elektronik (Netzteil, Gleichrichter, Schaltnetzteil) im Fehlerfall einen pulsierenden Gleichanteil erzeugt, kann ein Typ AC diesen unter Umständen nicht mehr sicher erkennen. Da heute praktisch in jedem Haushalt elektronische Geräte stecken, ist der Typ AC in Deutschland nicht als alleiniger Personenschutz zulässig. Der absolute Mindeststandard ist der Typ A.

30 mA oder 300 mA? Personenschutz und Brandschutz

Neben dem Typ ist der Bemessungsdifferenzstrom (Auslösestrom) entscheidend. Er gibt an, ab welchem Fehlerstrom der RCD auslöst:

  • 30 mA — Personenschutz: Diese Empfindlichkeit schützt Menschen vor lebensgefährlichem Stromschlag. Sie ist für Steckdosenstromkreise im Wohnbereich vorgeschrieben.
  • 300 mA — Brandschutz: Diese gröbere Auslöseschwelle dient dem vorbeugenden Brandschutz, etwa gegen Schwelbrände durch Kriechströme. Sie ersetzt nicht den 30-mA-Personenschutz.

RCD-Typ bei Wallbox und Ladeeinrichtung

Praxisfall Wallbox: Eine Wallbox lädt das Fahrzeug mit Gleichspannung im Bordnetz und kann im Fehlerfall einen glatten Gleichfehlerstrom erzeugen. Ein Typ A würde diesen nicht zuverlässig erkennen. Vorgeschrieben ist deshalb entweder ein RCD Typ B oder ein RCD Typ A in Kombination mit einer integrierten DC-Fehlerstromerkennung von 6 mA (RDC-DD) in der Ladeeinrichtung. Viele moderne Wallboxen bringen diese 6-mA-Erkennung bereits ab Werk mit — dann genügt vorgeschaltet ein Typ A. Welche Variante zulässig ist, hängt vom konkreten Gerät und der Installation ab und gehört in die Hand der Elektrofachkraft.

RCD-Typ bei PV-Anlagen und Wechselrichtern

Auch bei Photovoltaik-Anlagen ist die Wahl des RCD-Typs sicherheitsrelevant. Ein Wechselrichter wandelt Gleichstrom in Wechselstrom — im Fehlerfall können dabei Gleichfehlerströme auftreten. Sofern der Wechselrichter keine sichere galvanische Trennung besitzt, ist ein allstromsensitiver Typ B erforderlich. Geräte mit interner Trennung kommen je nach Herstellervorgabe mit einem Typ A aus. Auch hier gilt: Die Herstellerdokumentation und die anerkannten Regeln der Technik sind maßgeblich.

Die wichtigste Regel: Typ muss zur Last passen

Der häufigste und gefährlichste Fehler bei RCDs ist ein zu niedriger Typ für die angeschlossene Last. Schließt man etwa eine Wallbox nur über einen Typ A ohne 6-mA-Erkennung an, kann ein auftretender glatter Gleichfehlerstrom den RCD blockieren oder „blind“ machen — er löst dann auch bei einem zusätzlichen Wechselfehler nicht mehr zuverlässig aus. Ein falscher RCD-Typ schützt also nicht nur unzureichend, er kann den Schutz sogar ganz aushebeln. Deshalb gehört die Typenauswahl immer in fachkundige Hände.

IntHome prüft im Rahmen der Elektroinstallation, welcher RCD-Typ für Ihre Verbraucher korrekt ist, und dokumentiert die Auswahl normgerecht. Ergänzend zum Fehlerstromschutz lohnt sich oft ein Blick auf den Brandschutzschalter (AFDD), der eine andere Gefahr — Fehlerlichtbögen — abdeckt.

Häufige Fragen zu RCD-Typen

Was ist der Unterschied zwischen RCD und FI-Schutzschalter?

Es gibt keinen technischen Unterschied. RCD (Residual Current Device) ist die internationale Bezeichnung, FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) der eingedeutschte Begriff. Beide meinen dasselbe Gerät, das einen Stromkreis bei zu hohem Fehlerstrom abschaltet.

Welcher RCD-Typ ist im normalen Haushalt vorgeschrieben?

Der Mindeststandard ist Typ A mit einem Bemessungsdifferenzstrom von 30 mA für Steckdosen- und Beleuchtungsstromkreise. Typ AC ist in Deutschland als alleiniger Schutz nicht mehr zulässig, weil er pulsierende Gleichfehlerströme nicht zuverlässig erfasst.

Welchen RCD-Typ braucht eine Wallbox?

Eine Wallbox benötigt entweder einen RCD Typ B oder einen RCD Typ A in Kombination mit einer integrierten DC-Fehlerstromerkennung von 6 mA (RDC-DD) in der Ladeeinrichtung. Viele moderne Wallboxen bringen diese 6-mA-Erkennung bereits mit, sodass vorgeschaltet ein Typ A genügt.

Wofür steht der Unterschied zwischen 30 mA und 300 mA?

30 mA dienen dem Personenschutz und schützen Menschen vor lebensgefährlichem Stromschlag. 300 mA dienen dem vorbeugenden Brandschutz, etwa gegen Schwelbrände durch Kriechströme. Der 300-mA-RCD ersetzt nicht den 30-mA-Personenschutz.

Was passiert, wenn der falsche RCD-Typ verbaut ist?

Ein zu niedriger Typ erkennt bestimmte Fehlerströme nicht. Ein glatter Gleichfehlerstrom kann einen Typ A sogar blockieren, sodass er auch bei zusätzlichen Wechselfehlern nicht mehr auslöst. Der Schutz wird dadurch im schlimmsten Fall vollständig ausgehebelt.

Brauche ich für einen PV-Wechselrichter einen Typ B?

Das hängt vom Gerät ab. Wechselrichter ohne sichere galvanische Trennung erfordern einen allstromsensitiven Typ B. Geräte mit interner Trennung kommen je nach Herstellervorgabe mit einem Typ A aus. Maßgeblich sind die Herstellerdokumentation und die Bewertung der Elektrofachkraft.

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Ansprechpartner

Markus Zink

Geschäftsführer