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SLS-Schalter

Der SLS-Schalter sitzt im plombierten Vorzählerbereich und schützt die Hauptleitung zum Zähler. Wir erklären, wie seine selektive Kennlinie verhindert, dass bei einem Fehler das ganze Haus abschaltet, und welche Bemessungsströme heute üblich sind.

Kurz erklärt

Der SLS-Schalter (Selektiver Leitungsschutzschalter, auch Hauptleitungsschutzschalter) sitzt im Zählerschrank vor dem Stromzähler und schützt die Hauptleitung zwischen Hausanschlusskasten und Zählerplatz. Durch seine selektive Auslösekennlinie löst bei einem Fehler zuerst der nachgelagerte Leitungsschutzschalter aus — das Haus bleibt am Netz. Übliche Bemessungsströme sind 35, 50 oder 63 Ampere, dreipolig ausgeführt.

Was ist ein SLS-Schalter?

Zwischen dem Hausanschlusskasten und dem Stromzähler verläuft die Hauptleitung. Auch sie muss vor Überlast und Kurzschluss geschützt werden. Früher übernahmen das NH-Sicherungen im Zählerschrank, heute ist dafür der SLS-Schalter vorgesehen.

Er ist ein dreipoliger Schutzschalter im sogenannten unteren Anschlussraum beziehungsweise oberen Bereich des Zählerplatzes und liegt damit im plombierten Vorzählerbereich. Anders als eine Schmelzsicherung ist er nach dem Auslösen wieder einschaltbar — ein wesentlicher praktischer Vorteil, denn ein Sicherungswechsel im Vorzählerbereich wäre dem Kunden nicht erlaubt.

Zugleich dient der SLS-Schalter als Trennstelle: Mit ihm lässt sich die gesamte Kundenanlage allpolig freischalten — etwa für Arbeiten an der Verteilung oder im Notfall.

Die Schutzkette im Gebäude: NH-Sicherung im Hausanschlusskasten (Netzbetreiber) → SLS-Schalter im Zählerschrank (Kundenanlage) → Leitungsschutzschalter in der Unterverteilung → Endstromkreis. Jede Stufe schützt die Leitung dahinter — und muss zur nächsten passen.

Selektivität: der entscheidende Unterschied

Das Wort „selektiv“ im Namen beschreibt die eigentliche Funktion. Selektivität bedeutet: Bei einem Fehler löst nur das Schutzorgan aus, das dem Fehler am nächsten liegt. Ein Kurzschluss in der Waschküche schaltet also den betroffenen Stromkreis ab — nicht das ganze Haus.

Damit das funktioniert, muss der vorgelagerte SLS-Schalter träger reagieren als der nachgelagerte Leitungsschutzschalter. Erreicht wird das über eine besondere Auslösekennlinie mit deutlich höherem Kurzschlussauslösewert und ein abgestimmtes Zeitverhalten. Ohne diese Abstimmung käme es zum sogenannten Mitnahmeeffekt: Beide Schalter würden gleichzeitig auslösen, und ein Fehler in einem einzelnen Stromkreis würde das gesamte Gebäude spannungsfrei schalten.

Kennlinien und Bemessungsströme

MerkmalAusführungBedeutung
Kennlinie ESelektive Kennlinie für den VorzählerbereichStandardausführung im Zählerschrank; selektiv gegenüber nachgelagerten Leitungsschutzschaltern
Kennlinie KKennlinie für Betriebsmittel mit hohen EinschaltströmenSonderanwendungen, etwa bei Transformatoren oder Motoren
Bemessungsstrom 35 AdreipoligBestandsgebäude mit geringer Anschlussleistung
Bemessungsstrom 50 AdreipoligEinfamilienhaus mit einzelnen Großverbrauchern
Bemessungsstrom 63 AdreipoligHeutiger Standard im Neubau mit Wärmepumpe und Wallbox

Der Bemessungsstrom des SLS-Schalters wird immer unterhalb der Hausanschlusssicherung gewählt, damit auch zwischen diesen beiden Stufen Selektivität besteht. Eine typische Staffelung lautet: 100 A NH-Sicherung im Hausanschlusskasten, 63 A SLS-Schalter im Zählerschrank, 16 A Leitungsschutzschalter im Stromkreis.

Normative Einordnung und Zählerplatz

Der SLS-Schalter ist fester Bestandteil des modernen Zählerplatzes nach der Anwendungsregel VDE-AR-N 4100, die die Technischen Anschlussbedingungen für den Niederspannungsanschluss bundesweit vereinheitlicht. Sie legt unter anderem fest, wie der Zählerschrank aufgebaut ist, welche Räume für Messung, Vorzählerbereich und Kundenanlage vorgesehen sind und dass die Hauptleitung durch ein selektives Schutzorgan abzusichern ist.

In der Praxis heißt das: Wird ein Zählerschrank modernisiert oder neu errichtet, gehört der SLS-Schalter dazu. Bestandsanlagen mit NH-Sicherungen im Zählerschrank genießen Bestandsschutz, solange nicht wesentlich in die Anlage eingegriffen wird — spätestens beim Anschluss neuer Großverbraucher ist die Umstellung aber regelmäßig fällig.

Da der SLS-Schalter im plombierten Bereich sitzt, darf ausschließlich ein beim Netzbetreiber eingetragener Elektrofachbetrieb ihn setzen, tauschen oder ändern.

Abgrenzung zu anderen Schutzorganen

SchutzorganEinbauortSchütztAuslöseursache
NH-SicherungHausanschlusskasten (Netzbetreiber)HausanschlussleitungÜberlast, Kurzschluss
SLS-SchalterZählerschrank, VorzählerbereichHauptleitung zum Zähler und VerteilerÜberlast, Kurzschluss — selektiv verzögert
LeitungsschutzschalterUnterverteilungLeitung des EndstromkreisesÜberlast, Kurzschluss
FI-Schutzschalter (RCD)UnterverteilungPersonen und AnlageFehlerstrom gegen Erde
AFDD (Brandschutzschalter)UnterverteilungBrandvermeidungFehlerlichtbogen

Wichtig: Der SLS-Schalter ersetzt keinen Fehlerstromschutz. Er reagiert ausschließlich auf Überlast und Kurzschluss — der Schutz von Personen gegen elektrischen Schlag bleibt Aufgabe des FI-Schutzschalters.

Wo der SLS-Schalter in der Praxis relevant wird

Am häufigsten begegnet er Hauseigentümern bei der Erweiterung der Haustechnik. Sollen Wallbox, Wärmepumpe oder ein Durchlauferhitzer hinzukommen, prüft die Elektrofachkraft die gesamte Kette: Reicht die Hausanschlusssicherung, ist die Hauptleitung im Querschnitt ausreichend, und passt der SLS-Schalter dazu? Häufig zeigt sich dabei, dass nicht der Netzanschluss, sondern der veraltete Zählerplatz das eigentliche Nadelöhr ist.

Reicht die vorhandene Leistung rechnerisch nicht, ist ein Lastmanagement oft die schlankere Lösung als eine Verstärkung des Netzanschlusses. IntHome bewertet diese Punkte im Zuge der Elektroinstallation gemeinsam, stimmt die Ausführung mit dem Netzbetreiber ab und dimensioniert die Schutzkette so, dass spätere Erweiterungen möglich bleiben.

Häufige Fragen zum SLS-Schalter

Was ist der Unterschied zwischen SLS-Schalter und Leitungsschutzschalter?

Der SLS-Schalter sitzt im plombierten Vorzählerbereich und schützt die Hauptleitung zum Zähler. Der Leitungsschutzschalter sitzt in der Unterverteilung und schützt einen einzelnen Endstromkreis. Der SLS-Schalter ist selektiv ausgelegt, also träger, damit bei einem Fehler zuerst der nachgelagerte Automat auslöst.

Ist ein SLS-Schalter Pflicht?

Bei Neuerrichtung oder Modernisierung des Zählerplatzes ist er nach der Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 vorgesehen. Bestandsanlagen mit NH-Sicherungen im Zählerschrank haben Bestandsschutz, solange nicht wesentlich in die Anlage eingegriffen wird. Bei größeren Erweiterungen wird die Umstellung in der Regel fällig.

Darf ich den SLS-Schalter selbst wieder einschalten?

Das Betätigen des Schalters ist grundsätzlich möglich, er ist dafür konstruiert. Nicht zulässig ist jedes Öffnen der Plombierung oder ein Eingriff in die Verdrahtung — das darf nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Elektrofachbetrieb. Löst der Schalter wiederholt aus, sollte in jedem Fall eine Fachkraft die Ursache prüfen.

Welchen Bemessungsstrom braucht mein SLS-Schalter?

Das ergibt sich aus der Anschlussleistung, dem Querschnitt der Hauptleitung und der vorgelagerten Hausanschlusssicherung. Übliche Werte sind 35, 50 oder 63 Ampere. Im Neubau mit Wärmepumpe und Wallbox sind 63 Ampere heute der Regelfall. Die Auslegung erfolgt immer über eine Lastberechnung durch die Elektrofachkraft.

Ersetzt der SLS-Schalter den FI-Schutzschalter?

Nein. Der SLS-Schalter reagiert auf Überlast und Kurzschluss und schützt damit Leitungen. Der FI-Schutzschalter erkennt Fehlerströme gegen Erde und schützt Personen vor gefährlichem Stromschlag. Beide Schutzorgane haben unterschiedliche Aufgaben und sind beide erforderlich.

Was kostet der Einbau eines SLS-Schalters?

Das Gerät selbst ist vergleichsweise günstig. Relevant sind die Arbeiten am Zählerplatz, die Abstimmung mit dem Netzbetreiber und gegebenenfalls die Erneuerung von Zählerschrank oder Hauptleitung. Erfolgt der Einbau im Zuge einer ohnehin anstehenden Zählerschrankmodernisierung, fällt er kaum ins Gewicht.

Hinweis zur Erstellung: Dieser Glossareintrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell optimiert. Die fachlichen Inhalte werden vor der Veröffentlichung durch die Elektrofachkräfte von IntHome geprüft. Normen und die Technischen Anschlussbedingungen einzelner Netzbetreiber können abweichen — für die verbindliche Auslegung Ihrer Anlage ist stets die individuelle Fachplanung maßgeblich.

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Ansprechpartner

Markus Zink

Geschäftsführer